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"Wenn wir unser Licht erscheinen lassen, geben

wir anderen Menschen die Erlaubnis, dasselbe zu tun.“

M. Williamson

Köln

Freiburg

Konzerthalle    |    SO 22.  APR

Konzerthalle  |    SA 12. MÄR

Singen ist eine Ur-Eigenschaft des Menschen. Manche behaupten, die Menschen hätten gesungen, bevor sie sprachen...!

 

Die Stimme ist ein Teil unserer Individualität - unverwechselbar und einzigartig wie ein Fingerabdruck.

Beim Singen sind wir selbst unser Instrument. Nicht mal eben durch ein Neues zu ersetzen, aber „immer griffbereit“, wo wir auch sind.

Im besten Falle singt man so gesund und frei, dass man nicht darauf kommt, dass einem das Singen Probleme bereiten könnte.

Wir kennen alle den Moment, wo es aus einem Freude-Jubelgefühl nur so „aus uns heraus singt“. Diesen Zustand (nicht nur, wenn einem zum Jubeln ist...) kann man Erüben und er hat seine Auswirkung auf alle weiteren Lebensbereiche. Nicht nur auf die Vitalität und die Körperspannung (ein Opernsänger verbraucht auf der Bühne an einem Abend so viel Kalorien, wie ein Bauarbeiter an einem Achtstunden-Tag), sondern auch auf das seelische Wohlbefinden. Wenn ich zentriert bin, dann spüre ich mich, meine Bedürfnisse und Grenzen unmittelbar und kann im besten Sinne „auf mich aufpassen“. Davon haben alle Menschen etwas, die mir begegnen (siehe oben: Wenn wir unser Licht erscheinen lassen...). Pflege ich also mein ureigenstes Instrument, hat das wenig mit Luxus zu tun, sondern ist viel mehr eine Notwendigkeit. („Liebe den anderen, wie dich selbst!“, Neues Tesatament)

Sind wir in uns zentriert, fühlen wir uns in unserem Körper präsent und gut verankert, dann spricht nichts mehr dagegen, dass die Stimme fließt und klingt.

Die Kunst ist (immer) ein sinnlicher Spiegel des Lebens. Am Ton und Klang kann ich wahrnehmen, inwieweit ich zentriert bin und wo es fehlt: Ist der Ton nicht richtig intoniert? (Der Ton ist zu tief oder zu hoch.) Ist das Vibrato unnatürlich? Oder klingt der Ton angestrengt und nicht frei?

Mein Klang verrät unmittelbar etwas über mein „stimmig sein“. So ist eine Korrektur immer eine Korrektur an der Zentrierung. Ist der Sänger zentriert, kann die Stimme frei und vollkommen fließen. Sämtliche Korrekturen am Stimmapparat erübrigen sich, wenn der Ton richtig gestützt / zentriert ist. Der Stimmapparat, die Stimmwerkzeuge sind dann frei von Überspannung und die gewünschten Resonanzräume schwingen automatisch mit. Auch nach jahrzehntelangem Schweigen, ist die Quelle des Gesangs gesund und wartet darauf, zu fließen. Was wir dann hören, sind einzigartige Stimmen, deren Klang uns Gänsehaut bereitet.

Dieses Üben ist ein lebenslanger Prozess. Zentriert-Sein will täglich neu errungen werden. Nur wird es mit der Zeit immer selbstverständlicher und einfacher.

 

Ich unterrichte auf der Basis von Petra Schulzes „Schule für Gesang“. In ihrem Buch „Singen - Kunst der Mitte“ beschreibt sie, wie das Singen ein Übungsweg ist, den man an jeder Stelle betreten kann. Durch Jahrzehnte war ich immer wieder ihre Schülerin und bin mit dieser Methode, in der es auch Profis wieder „Freude“ macht zu singen, sehr vertraut. Durch mein Hochschulstudium an der Musikhochschule Lübeck und der Opernschule Karlsruhe, durch diverse Meisterkurse, habe ich eine Menge an „Singtechniken“ kennengelernt und es ist erstaunlich, wie man aus natürlichsten Dingen ein Problem schafft. Gerade deswegen bin ich überzeugt, dass Singen keine Wissenschaft ist, sondern eine natürliche Tätigkeit, der man nur zurück zur Natürlichkeit verhelfen muss.

 

Ich habe Zeit meines Unterrichtens immer wieder erleben dürfen, dass jeder Mensch, egal wie ungeübt, zaghaft oder wie lange er nicht mehr gesungen hat, unmittelbar singen kann, zeigt man ihm, wie er sich zentriert. Das ist sowohl eine körperliche, als auch eine innere Konzentration.